40. Jubiläum
40 Jahre Augsburger Aidshilfe: Von den Anfängen der AIDS-Krise bis zur Hoffnung auf Heilung
Augsburg, 29. September 2026
Am 26. August 1986 treffen sich engagierte Menschen in Augsburg, die sich bereits in einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen haben, und gründen einen Verein: die Augsburger Aidshilfe e.V. Es ist eine Zeit, in der die AIDS-Pandemie ihren Höhepunkt erreicht. Menschen infizieren sich, erkranken und sterben. Für viele Betroffene und ihre Angehörigen gibt es kaum Unterstützung und noch weniger gesellschaftliche Akzeptanz.
Die Augsburger Aidshilfe wird in dieser Zeit zu einer wichtigen Anlaufstelle. Sie übernimmt Telefondienste, informiert über Übertragungswege und Risiken, berät Betroffene und Angehörige und steht im Austausch mit Krankenhäusern, Krankenkassen und Jurist:innen. Sie begleitet, hört zu, kämpft politisch für die Rechte von Menschen mit HIV und AIDS und ist für viele Betroffene die einzige verlässliche Unterstützung in einer von Angst und Unsicherheit geprägten Zeit. Erst Mitte der 1990er-Jahre stehen Medikamente zur Verfügung, die für viele Menschen die Rettung vor dem Tod bedeuten. Seitdem hat sich auch die Arbeit der Aidshilfe verändert. Aus der Begleitung sterbender Menschen wurde zunehmend Präventionsarbeit. Heute gehören unter anderem die Vermittlung an Schwerpunktärzt:innen, die Beratung und Begleitung von Menschen mit HIV in unterschiedlichen Lebenssituationen, die Arbeit in Justizvollzugsanstalten sowie ein etabliertes anonymes Testangebot auf HIV und andere sexuell übertragbaren Infektionen, zu den Aufgaben der Augsburger Aidshilfe.
Gegründet wurde der Verein in Augsburg-Oberhausen. Nach mehreren Umzügen innerhalb der Innenstadt hat die Aidshilfe vor rund 20 Jahren im Zollhaus in der Ulmer Straße 182 in Augsburg-Kriegshaber ihr Zuhause gefunden.
40 Jahre Aidshilfe Augsburg
Am Donnerstag, den 24. September 2026, feierte die Augsburger Aidshilfe ihr 40-jähriges Bestehen mit rund 70 geladenen Gästen im Grand Hotel Cosmopolis.
Eröffnet wurde der Abend vom Opernsänger Alejandro Marco Burmester gemeinsam mit dem Dirigenten und Pianisten Justin Pambianci. Nach der Begrüßung durch Geschäftsführerin Ute Häußler übernahm Drag-Queen Violetta Stein die Moderation des Abends. Die ehemalige Mitarbeiterin der Aidshilfe führte mit Witz und Charme durch das Programm.
Der Sozialreferent der Stadt Augsburg, Herr Schenkelberg, eröffnete den Abend mit einer Videobotschaft. Anschließend gab Stefan Miller von der Deutschen Aidshilfe, einen Einblick in die Arbeit der vergangenen 40 Jahre. Er würdigte insbesondere die vielseitige und kreative Art der Augsburger Aidshilfe, die Bevölkerung über HIV und AIDS aufzuklären und für sexuelle Gesundheit zu sensibilisieren.
Einen besonders persönlichen und lokalen Einblick in die Geschichte der Aidshilfe gab das Gründungsmitglied Wolfgang. Er machte deutlich, wie die Anfänge der Aidshilfe von politischen, gesellschaftlichen und persönlichen Herausforderungen geprägt waren und wie wichtig es auch heute ist, für die eigenen Anliegen einzustehen. „Die Errungenschaften, die wir in den zurückliegenden Jahren erkämpft haben, werden wir uns nicht mehr nehmen lassen. Und wenn nötig gibt es ein ,Stone wall 2´“ schließt Wofgang seine Rede. Als letzte Rednerin sprach Dr. Angela Hammond, Internistin und Schwerpunktärztin sowie langjährige Wegbegleiterin der Augsburger Aidshilfe. Sie zeichnete die Entwicklung der HIV-Behandlung aus medizinischer Sicht nach und gab einen Ausblick auf die kommenden Jahre. An einer Möglichkeit der Heilung werde mit Hochdruck gearbeitet. Die Idee sei valide, bis zu einer tatsächlichen Heilung könne jedoch noch ein Jahrzehnt vergehen, so Hammond.
„Ich sorge dafür, dass meine Patienten aus medizinischer Sicht gut behandelt sind, aber dass es ihnen auch im Leben gut geht, dafür sorgt die Aidshilfe“, sagt Fr. Dr. Hammond anerkennend im letzten Satz.
Für musikalische Unterhaltung zwischen den Redebeiträgen sorgte die Münchner Drag Queen Miz Tylor. In schillerndem Gold gekleidet, griff sie damit auch die goldene Dekoration des Veranstaltungsraums auf.
Beim anschließenden Get-together kamen Mitglieder, Ehrenamtliche, Klient:innen, Netzwerkpartner:innen und Politiker:innen miteinander ins Gespräch. Bei Häppchen und Getränken konnten die Gäste sich austauschen und gleichzeitig eine Fotoshow verfolgen, die Bilder und Eindrücke aus vier Jahrzehnten Aidshilfe-Arbeit in Augsburg zeigte.
40 Jahre Aidshilfe bedeuten auch 40 Jahre gesellschaftliche Veränderungen. Vieles hat sich seit der Gründung verändert. Die medizinische Behandlung von HIV hat enorme Fortschritte gemacht, HIV ist heute unter einer gut funktionierenden Therapie nicht mehr tödlich und nicht übertragbar. Gleichzeitig bleiben Diskriminierung, Stigmatisierung und gesellschaftliche Ausgrenzung für viele Menschen mit HIV und für queere Menschen Realität.
Wolfgang beschreibt die Notwendigkeit der Aidshilfe in seiner Rede folgendermaßen: „Auch wenn die Infektion ihren Schrecken von damals überwunden hat und heute von einer chronischen Erkrankung gesprochen wird, sind manche Äußerungen nicht verschwunden. […] In einer Welt, in der bestimmte Menschengruppen die natürliche Vielfalt bei den sexuellen Orientierungen, ausklammern, werden die Lebensbedingungen von Betroffenen stark beeinflusst“.
Um es mit der neuen Kampagne der Deutschen Aidshilfe zu sagen: Wir stehen zusammen. Für Vielfalt, Respekt und Solidarität.
Dank an alle Wegbegleiter:innen
Die Augsburger Aidshilfe bedankt sich bei Herrn Schenkelberg für die Grußbotschaft, bei Stefan Miller, Wolfgang und Dr. Angela Hammond für die Bereitschaft, das Jubiläumsprogramm mit ihren wichtigen Beiträgen zu bereichern, sowie bei Miz Tylor für eine atemberaubende Show und bei Violetta Stein für die Moderation.
Ein großer Dank gilt außerdem dem Grand Hotel Cosmopolis, das die Aidshilfe vor, während und nach der Veranstaltung unterstützt hat. Ebenso bedanken wir uns bei allen Gästen, die diesen besonderen Tag gemeinsam mit uns gefeiert haben. Unser Dank gilt auch Florian Siekmann, queerpolitischer Sprecher des Bayerischen Landtags, und Stefanie Schuhknecht, MdL Bündnis 90/Die Grünen, für ihre Unterstützung und ihr Kommen.
Es war uns wahrlich ein Fest.
Ein besonderer Dank gilt ViiV Healthcare, durch deren finanzielle Unterstützung die Jubiläumsveranstaltung in dieser Form überhaupt möglich war.
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